stones, too, feel

Mona Vătămanu, Florin Tudor

Operierend mit gegensätzlichen Elementen der Realität, materiellen und immateriellen, ist die Ausstellung um die Themen Migration, Imagination, Utopie und mögliche alternative Welten konzipiert: Verschiedene Narrative werden zu einem Geflecht symbolischer Assoziationen verwoben, die dem derzeitigen oligarchischen Imperialismus entgegenstehen. Die neue Installation, mit dem Titel stones, feel, too, nimmt Bezug  auf das Drama der aus ihrer Heimat vertriebenen Menschen und deren Kampf um ein neues Leben, auf diese „anderen“, die auftauchen im Nebel unserer Konsumkultur, der den Blick auf den globalen Zustand des permanenten Krieges verschleiert. Die Arbeit eröffnet einen Dialog mit Horizon, eine aus einem geographischen Atlas geformte dünne Linie, die die Grundidee des Horizonts in Frage stellt.

Zwei der präsentierten Filme sind vor der Kulisse der ehemaligen Waffenfabrik in Dudeşti, Bukarest, entstanden. In Prăpădenia pământului/Die Unglücklichen der Erde wird dieser Schauplatz zum Zeugen einfacher Handlungen und künstlerischer Interventionen, die dazu beitragen sollen, diesen Ort zu heilen und ein historisches Bewusstsein als Reaktion auf seine frühere Nutzung zu aktivieren. Die kollektive Nachstellung des im 18. Jahrhundert von Giandomenico Tiepolo geschaffenen Gemäldes Il Mondo Nuovo (Die Neue Welt), die das Künstlerpaar 2004 im Zuge des internationalen Fellowship Programms im Künstlerhaus Büchsenhausen erstmals in Innsbruck präsentierte ist im Jahr 2016 nochmals vor der Kulisse der ehemaligen Waffenfabrik in Szene gesetzt worden. Die Arbeit kann als Veranschaulichung von Desillusionierung und Hoffnungslosigkeit verstanden werden eröffnet aber auch den Blick auf Möglichkeiten, den Widrigkeiten der Gegenwart durch Solidarität, gemeinsame Ideale und Gemeinschaftlichkeit entgegenzutreten.

Der Film Gagarin’s Tree basiert auf einem Interview mit dem Philosophen Ovidiu Tichindeleanu und behandelt Themen wie die Erforschung des Weltraums, Imagination und Propaganda in der sozialistischen Utopie, den Zustand des Postkommunismus als liberale Kolonisation, die – laut Ovidiu – durch ein neues historisches Bewusstsein mit anderen Orten der Dekolonisation verbunden ist. Als Ausgangspunkt für die Reflexionen des Protagonisten dient die Instabilität gegenwärtiger Ruinen: Diese stehen für die zerstörte Zukunft unterschiedlicher Vergangenheiten, unterschiedlicher Messianismen oder unterschiedlicher Wahrnehmungen der Idee einer „historischen Destination“ über die vergangenen Jahrzehnte. Ovidius Analyse kreist um die reziproke Konstruktion von Vergangenheiten und Zukünften, Konzepten von Erneuerung oder historischem Horizont, von einem zeitlichen oder örtlichen „Anderswo“. Als Kulisse für das Gespräch dient das Gagarin-Jugendzentrum in Chişinău, Moldawien, wo die meisten Aufnahmen entstanden sind. Das mittlerweile leerstehende Gebäude, das darauf wartet, einem eher dem oligarchischen Liberalismus der Gegenwart entsprechenden Bauwerk zu weichen, liest sich wie ein Palimpsest nie realisierter historischer Projektionen, als dessen Sinnbild vielleicht das riesige Mosaik am Gebäude gelten kann, das die Arbeit im Weltraum veranschaulichen soll: ein Arbeiter, der das Universum pflügt.

 

Mona Vătămanu & Florin Tudor
*1968/1974, Zusammenarbeit seit 2000;

Einzelausstellungen (Auswahl): Flying Utopia, Tranzit.sk, Bratislava, 2015; Le monde et la dette, D+T Project, Brüssel, 2015; I do not know the real story which happens there, Argos Centre for Arts and Media, Brüssel, 2014; 46°19′41″N 23°12′44″E Geamana, Galerie Andreas Huber, Wien, 2014; All that is Solid Melts into air, Extracity, Antwerpen, 2013; I dreamt the work of another artist, Kunsthalle Lissabon, 2013; Powerlessness a Situation. Revolutie, Frankfurter Kunstverein, 2013; The order of things, DAAD Galerie, Berlin, 2012; Geometric Analogies, D+T Project, Brüssel, 2012; Land Distribution, Lombard – Freid Projects, New York, 2011; All Power to the Imagination!, Secession, Grafischess Kabinett, Wien, 2009; Living Units, Project Room, Ludwig Museum, Budapest, 2003.

Ausstellungsbeteiligungen (Auswahl): Still (the) Barbarians, EVA Biennial, Limerick, 2016; Sensitive Zones, Does the map make the world? 49 Nord 6 Est, Frac Lorraine, Metz, 2016; All Men Become Sisters, Muzeum Sztuki ms2, Lodz, 2015; Ortstermin mit Leoni Wirth, Kunsthaus Dresden, 2015; What is to come has already arrived, MUSAC, Museo de Arte Contemporaneo de Castilla y Leon, 2015; A Luxury We Cannot Afford, Para Site, Hong Kong, 2015; Social Factory, 10th Shanghai Biennale, Power Station of Art, Shanghai, 2014; A History, Centre Pompidou, Paris, 2014; Something in Space Escapes Our Attempts at Surveying, Württembergischer Kunstverein Stuttgart, 2014; How to disappear completely, Kunstpavillon, Innsbruck, 2014; Report on the Construction of a Spaceship Module, New Museum, New York, 2014; Sights and Sounds, Global Film and Video, The Jewish Museum, New York, 2014; Videonale.14, Kunstmuseum Bonn, 2013; eva International Biennial of Visual Art – After the Future, Limerick City, 2012; Untitled, 12th Istanbul Biennial, 2011; Call the Witness, Roma Pavilion Collateral Event, 54th Venice Biennale, Venedig, 2011;

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