Exhausted Time

Ana Hoffner

Ausstellungsansicht, Foto: WEST.Fotostudio

Der Titel Exhausted Time (Zeit der Erschöpfung) verweist auf den Zustand eines Augenblicks sowie ein Danach. Anhand von Erzählungen, Berichten, Tatsachen und Experimenten führt Ana Hoffner in ihren Videoinstallationen, fotografischen Arbeiten und Objekten die Besucher_innen der Ausstellung in unterschiedliche narrative Stränge ein, der erschöpten Zeiten nach Krisen, Konflikten oder Kriegen, die einen gemeinsamen Kanon anstimmen sowie zur Reflexion eigener Denkmuster und Sichtweisen anregen.

Die performative, mediale Dekonstruktion des einzigen Pressebildes, das vom US-amerikanischen Weißen Haus zum Tode Osama Bin Ladens veröffentlicht wurde, spielt mit der Kombination der Bilderzeugung von Gesprochenem und tatsächlich rezipierten Bildern am Screen. Gegensätzlich zu TV Nachrichten, wo die Macht der Bilder der unterlegten Tonspur vorgezogen wird, inszeniert Hoffner in Framing Livestream diese Form der visuellen Repräsentation und erzeugt eine imaginäre Reflexion von Medienbildern. Die Imagination und Vorstellungskraft der Besucher_innen wird in der Arbeit Fifty-one pieces – Believing in Art weitergeführt. Eine scheinbar vorhandene leere Ausstellungswand wird anhand eines digitalen Zaubertricks zum Verschwinden gebracht. Narrativ steht diese Wand mit der Geschichte von einundfünfzig Kunstwerken, die offiziell seit 1993 aus der Kunstgalerie in Bosnien&Herzegovina verschwunden sind, in Verbindung. Die mit einem Greenbox-Stoff verhüllte Wand dient als Projektionsfläche einer ganz privaten gedanklichen Simulation über eine Präsentation dieser einundfünfzig Werke.

Als junge Person mit den Bildern der Gewalt und Grausamkeit des Jugoslawienkrieges im österreichischen Fernsehen konfrontiert, münzt Ana Hoffner diese Erfahrung in der Videoinstallation Transferred Memories – Embodied Documents auf eine gänzlich andere Projektionsfläche um, die des Films Persona von Ingmar Bergman. Hoffner projiziert ihre Protagonist_innen auf die des Films und lässt somit die Erzählung von Gefangennahme und Alltag in einem der berüchtigtsten Gefangenenlager während des Jugoslawienkriegs im Bildsujet des 1960er Jahre Kinos erscheinen.

Das bildliche Pendant bietet die gegenüberliegend Fotoarbeit Future Anterior – Illustrations of War. Die Fotoserie des Werbefotografen Steven Meisel, die in der Vogue publiziert wurde, stellt Szenen sexueller Gewalt von Soldaten/Polizisten an Frauen (weiblichen Modells) dar. Im weiteren Kontrast zum gehörten Erfahrungsbericht über das Gefangenenlager Omarska, der von der Videoinstallation ausgehend im Raum zu hören ist, steht der trockene, prägnante Stil des Textes, welcher die Fotoserie begleitet.
Die weitere Fotoarbeit im Raum geht nun der Frage der Darstellung und Lesbarkeit von Identität nach. Die abgebildeten Personen in The Queer Family Album – Me and my three daddies nehmen unterschiedliche Rollen an und Verhältnisse zueinander ein. Die Grenzen zwischen verschiedenen Kategorien sowie die Definition von Dreiecksbeziehungen Mutter/Vater/Kind beziehungsweise Familie/Nation/Staat/ verschwimmen und werden mit Politik und deren vermittelnden Gesten von Zugehörigkeit kombiniert.
Die Auseinandersetzung mit Medien, Körper und Identität setzt sich im nächsten Raum auf der Mirror Stage – Spiegelstadium fort. Sitzen wir im Allgemeinen vor Bildschirmen und stehen vor Spiegeln, um unserer Reflexion auf Augenhöhe zu begegnen, sind hier die Spiegel in diversen Bildschirmformaten auf einer Höhe angebracht, die eine Betrachtung des eigenen Spiegelbildes nur durch einen von den Ausstellungsbesucher_innen selbst ausgeführten performativen Akt zulassen. Die Bühne wird erst im Vorbeigehen und Betreten zu dem was ist.

Gegenüberliegend inszeniert Hoffner die Werkserie Identifications – Screenshots of murder. Die Bilder einer kapitalistischen Aneignung von Genderflexibilität in Popkultur und Modeindustrie propagieren eine gewaltfreie und unproblematische Geschichte von Transsexualität und Transgender. In ihrer Fotoarbeit verweist Hoffner auf den Missing Link dieser gewählten Ästhetik und Bildsprache, die einem konträren Kontext entspringt, dem Mord und der Gewalt an Transgender Personen.
Mit der Taktik der Transformation und Repression von Erinnerung, Vergessen und Verdrängen von Geschichte anhand einer spezifisch gewählten Bildsprache und Schnittabhandlung beschäftigt sich die Videoinstallation After the Transformation. Die Künstlerin absolvierte ein Stimmtraining mit ihrer durch Testosteron manipulierten Stimme, um sich der bereits verflüchtigenden Transformation zu erinnern. Es entsteht eine Auseinandersetzung mit der Vorstellung und den vorherrschenden Meinungen und Bildern über Geschlechtsidentität und der Frage nach den Möglichkeiten diese frei zu wählen und zu ändern.

Sofie Mathoi

Ausstellungsbroschüre

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