With Words We Touch What We Speak

Fanni Futterknecht

Videostill © Fanni Futterknecht, 2016.

Fanni Futterknechts Arbeiten positionieren sich medienübergreifend zwischen Video, Performance und Installation.
In ihren Arbeiten reflektiert sie soziale und gesellschaftliche Fragen, welche sie in eine poetische Deutung überträgt. In räumlichen und plastischen Umsetzungen und Übersetzungen sowie mittels Sprache arbeitet die Künstlerin in Form von Performance – Demonstrationen, Videos und Installationen, am Konstruierten und Dekonstruierten von Szenarien. Performance-Installationen werden als prozesshafte Skulpturen begriffen und transformieren sich bildhaft während ihrer Inszenierung.
Teil dieser Auseinandersetzung ist die Beschäftigung mit medialen Übersetzungsprozessen und dem Hinterfragen der eingesetzten Medien im jeweiligen Kontext: Das Übersetzen der Performance in ein Video. Das Video als Ausstellung. Die Installation als Performance.

Die Ausstellung With Words We Touch What We Speak führt die Besucher_innen durch eine von der Künstlerin konstruierte Dramaturgie. Dramaturgie ist hier nach der Definition von Gottfried Fischborn zu verstehen. Der Begriff bezieht sich: „[…] auf alle prozessualen und strukturierten Tätigkeiten, kommunikativen Akte (die Sprechakte eingeschlossen), Geschehnisfolgen und Vorgänge im gesellschaftlichen wie im individuellen Leben der Menschen, in der Sphäre der symbolischen Repräsentation wie in der des Alltags, in der Realität wie in den Künsten.“[1]
Die Narration bilden Momente, performative Abläufe, Aktionen, Situationen Zustände und Aspekte.
Alldem wohnt eine Absurdität inne, die gewollt konstruiert ist, um den realen, gesellschaftlichen Diskurs mit einer gewissen Ironie zu hinterfragen ohne eine konkrete Aussage zu treffen. Der poetische Umgang übersetzt Momente in eine eigene Sprache. Eine Sprache die den/die Betrachter_in direkt anspricht und die Dinge in ihrer Einfachheit und Materialität benennt.

In der Videoinstallation Across the White entstehen Dinge anhand ihrer Ausformulierung, in einem leeren weißen Raum, der als Projektionsfläche für den performativen Akt dieser Darstellung von Machtverhältnissen, die als Konzepte gelesen werden, dient.
Der zwischen den Figuren ausgetragene Konflikt, durch das gesprochene Wort, manifestiert sich im Objekt The Silence of the White is Gone in grafischer Form.
Die Gruppe als Einheit, das Individuum für sich sowie Bilder von deren Begegnung und Auseinandersetzung, strukturieren die raumgreifende 3-Kanal Videoinstallation Voices of Concrete. Ein Dualismus, der das Entstehen von Ideologien und der damit verbundenen Kontrolle über das Verhalten von Individuen einnimmt wird thematisiert. Die Protagonist_innen agieren in choreografierten Bildern und ihr Sprechen übersetzt sich in eine stille grafische Form. Es existiert keine Erzählung, aber eine Dramaturgie von Zuständen und Momenten in Bildern und Text.
Die aus der Videoinstallation übernommenen Objekte Accumulation 1-2-3 symbolisieren den oben thematisierten Diskurs. Sie sind nicht das, was sie sind, willkürlich in der Wahl der Farben, der Formen, jederzeit austauschbar liegen sie in den Händen der Protagonist_innen. Im Ausstellungsraum sind sie wie Modelle arrangiert, angelehnt an die karge, urbane, modernistische Architektur in der die ProtagonistInnen in den Videos agieren.
Die Video Poems I and It negieren das Bild der Protagonist_innen und lassen den Text selbst zum Sprecher werden. Diesen Textpoesien wohnt ein performativer Aspekt inne und sie adressieren direkt den/die Betrachter_in.
Am Ausgang, der auch Eingang ist, verbalisiert sich das Leuchten des Neonschriftzuges See me Going als Poesie im Raum und kündigt als Paradoxon das Verschwinden an.

 

[1] Gottfried Fischborn, Theatralität – Dramaturgie – Dramatisierung, in: Politische Kultur und Theatralität. Peter Lang, Frankfurt am Main 2012, S. 15–24.

Fanni Futterknecht studierte Bildende Kunst und Video an der Gerrit Rietveld Akademie Amsterdam und an der Akademie der bildenden Künste Wien und szenische Künste im Rahmen des Programmes Essai des CNDC in Angers Frankreich.

Performances/ Ausstellungen/ Residenzen/ Stipendien (Auszug):
2017 Tokyo Stipendium, BKA Österreich, Tokyo (JP); 2016 Wenn Worte auf Farben reiten, Ausstellungsbrücke St.Pölten; What Remains is Tomorrow, Badener Kunstverein; I wish I could speak in technicolour, Performance, Théâtre de la Cite Paris; Air Hospiz Residenz Arlberg; Screen as a Room, Substation, Melbourne; Films of ones own, Seventh Gallery Melbourne; 2015 Across The White, Performance und Installation, Im Ersten, Wien; Air Niederösterreich, RMIT, Melbourne; Residence International Recollets, Paris; Across the White, Galerie 5020 Salzburg; Aufgerissenen Auges, Xhibit Akademie der bildenden Künste Wien; Perpetuum Mobile, Garage Kunsthaus Wien; Air Melbourne Land Niederösterreich, Melbourne; 2014 Parallel Artfair, Wien; Formen und Sequenzen, Ausstellung mit Andreas Kurz, Kunstraum Super, Wien; The movement of the whole, Inda Galerie, Budapest; Cutlog, artfair New York (US); Residenz Watermill Center Hamptons, New York (US); An object with a sharp beginning_, Film Performance WUK, Wien; Air Stipendium, Robert Wilson Watermillcenter, New York (US); London/Vienna Calling, Semperdepot WIEN; Szene Salzburg Residenz; 2013 Principium Privatum – Projizierte Sexualitäten, Vienna Art Week, moe, Wien; Kunstgastgeber Gemeindebau Rennbahnweg; Kör London/Vienna Calling, Exhibition Mile End Art Pavillion; S/he is the one, Performance Kunstraum Niederösterreich; Die Chic Boutique @ SWDZ (So Weit, die Zukunft); In der Kubatur des Kabinetts, der kunstsalon im Fluc, Wien; Kulturdrogerie mit Ursula Maria Probst und Jakob Neulinger; La Souterrain, Residenz Zitrodruck, Zürich (CH); 2012 Staatliches Förderstipendium Auslandsatelier, Shanghai, bka

www.fannifutterknecht.com

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