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... really?

22.02.2002 - 30.03.2002

eine Ausstellung über Auslegungen des Realismusbegriffs in der zeitgenössischen Malerei
Christina Breitfuß, Dietmar Franz, Michael Goldgruber, Felix Malnig, Pauline Marcelle, Katrin Plavcak, Gabi Trinkaus, Norbert Trummer, Heidrun Widmoser

Neun Künstlerinnen und Künstler haben in loser Kooperation ein Ausstellungskonzept entwickelt. Es geht um Malerei und um Realismus - das verrät der Titel der Gruppenschau. Bei näherer Betrachtung gibt es aber weitere gemeinsame Nenner. Einige der KünstlerInnen stellen die Frage, inwieweit neue Medien wie Digitalprints, Fernsehen und Internet die Sehweise des Menschen beeinflussen bzw. ob diese zu eigenen, für sich stehenden Realitäten werden. Das Diktat oder die Belanglosigkeit von Konsumverhalten - sei es das Fernsehen oder die Beschaffung von Lebensmitteln - wird hinterfragt. Ein weiterer wichtiger Aspekt ist der Kippeffekt: einerseits zwischen Realität und Fiktion und andererseits zwischen Realismus und Abstraktion.

"Malerei bedeutet für mich ein Kippen der Realität ins Poetische - eine Gegensprache, die das Wissenschaftliche bricht. Die Dokumentation meiner Wirklichkeit durch erinnerungsfähiges Material soll in das Bewusstsein des Betrachters treten und Raum für eigene Fiktionen eröffnen.", beschreibt Katrin Plavcak die Intention ihrer Malerei.

Schneekanonen sind das Motiv, das Christina Breitfuß für ihre kleinformatige Bildserie in Schwarz-Weiß wählt. Als Vorlage diente die Internetpage eines Schneekanonenherstellers. Die scheinbare Banalität des Dargestellten impliziert eine kritische Haltung gegenüber den Eingriffen des Menschen in die Natur.

Als Landschaftsbilder können auch Felix Malnigs Werke auf Schwimmbadfolie bezeichnet werden. Bildthema ist der Verkehrsstau. In Blau gehalten wirken die Arbeiten wie der "Blow up" eines Kleinformates, denn die Punkte der Noppenfolie werden zu Pixeln - den Rasterpunkten der digitalen Bildproduktion. Das Motiv ist erst aus angemessener Entfernung zu erkennen. Aus der Nähe betrachtet erscheinen Malnigs Bilder abstrakt.

Ein umgekehrter Effekt ist den Arbeiten von Norbert Trummer zu eigen: Aus der Entfernung sieht man ungegenständliche Ornamente und bei näherer Betrachtung die Multiplikation einzelner Bildmotive. Ausgangspunkt sind kleinformatige Zeichnungen - oft Illustrationen literarischer Texte -, die der Künstler jedoch als eigenständige Werkgruppe sieht. So ist einmal ein Kamel der Multiplikator und ein andermal wird eine Straßenszene in Stempeltechnik fast bis unendlich wiederholt.

Michael Goldgrubers Ausgangspunkt sind Talkshows im Fernsehen. Er fotografiert den Bildschirm ab und bearbeitet das Foto am Computer weiter. In klassischer Manier - Öl und Acryl auf Leinwand - setzt er helle Lichtpunkte auf monochromen Hintergrund. Von der Belanglosigkeit der Talkshow bleibt die Ästhetik der Blendenflecken - "Techno-Impressionismus".

Das Medium Fotografie setzt auch Heidrun Widmoser in der Vorbereitung zu ihren Gemälden ein. Bewusst unscharf nimmt sie Details von Interieur bzw. Natur auf und bearbeitet diese Bilder am Computer weiter. Während des Malens verliert die Vorlage dann zusehends an Bedeutung. Es entstehen flirrende Farbräume, deren Wirkung in der Schau noch dadurch verstärkt wird, dass die Künstlerin die Arbeiten frei im Raum schwebend installiert hat.

Eine Nahsicht - fast wie unter dem Mikroskop - auf Fleisch zwingt Gabi Trinkaus dem Betrachter ihrer Werke auf. Die Ästhetik der Fleischfasern mischt sich mit dem Ekel, den viele Menschen vor rohem Fleisch haben. Trinkaus überzieht auch alltägliche Gegenstände - wie in dieser Ausstellung einen Sessel - mit einem Fleischbezug. Man könnte aber auch die Assoziation des "gehäuteten" Möbelstückes haben. Unter der Haut des Tieres von dem das Leder für die Stuhlbespannung stammt war - Fleisch!

Lebensmittel beschäftigen Dietmar Franz häufig in seiner künstlerischen Auseinandersetzung. In der Serie "Kettenreaktion" beschäftigt sich Franz mit dem Diktat der großen europäischen Lebensmittelketten: Vier EU-Länder hat der Künstler bereits bereist und Plastiktragtaschen aus Supermärkten mitgebracht. Diese werden auf Holz aufgespannt und mit Acryllack grundiert zum Bildträger für martialische Motive. Waffen von der Maschinenpistole über Pflasterstein und Molotowcocktail bis zum Nudelholz zeigen die Aggression von Franz gegenüber dem Konsumzwang. Die Bilder dienen einem multifunktionalen Objekt als Deckel. Die Boxen sind sowohl als Vorratskisten als auch als Hocker verwendbar.

Pauline Marcelles Bildthema ist stark autobiografisch: In ihrer Heimat Dominica, einer Insel im Westindischen Ozean, ist das Dominospiel sozusagen Volkssport. Im Kunstpavillon zeigt sie eine Installation aus zwei Digiprints auf Leinwand, überdimensionalen Dominosteinen aus Holz und einer Video Animation. Obwohl hier keine klassische Malerei zum Einsatz kommt ist die Komposition aus malerischer Sicht angelegt und fügt sich stimmig ins Gesamtkonzept der Schau.
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foto: michael goldgruber