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Unerwartete Wendungen

23.01.2010 - 06.03.2010

bankleer, Pavlina Fichta Čierna, Helmut Heiss, Nada Prlja, zweintopf
Kuratiert von Margarethe Makovec und Anton Lederer, < rotor >, Graz

Die erste Ausstellung des Jahres 2010 im Kunstpavillon beruht auf einer Auswahl von 5 KünstlerInnen aus den über 196 eingereichten Projektvorschlägen, die die Tiroler Künstlerschaft durch die Ausschreibung für das Programm 2010 erreichten. Anton Lederer, der als externer Juror mit der Künstlerin Renée Stieger und Ingeborg Erhart (GL der Tiroler Künstlerschaft) das Auswahlgremium bildete, hat die Ausstellung gemeinsam mit Margarethe Makovec kuratiert.

Das Unerwartete steht im Zentrum der Überlegungen dieser Ausstellung, das Bedeutungszuschreibungen in Frage stellt und Weltbilder ins Wanken bringen kann. Oft alltägliche Dinge und Handlungen, schon tausende Male gesehen bzw. getan, werden durch einen neuen Gedanken nahezu absurd. Warum haben wir das nicht schon früher gewusst? Hat es wirklich so lange gedauert, bis uns die Augen geöffnet wurden? Manche Wahrheiten halten sich sehr lange, andere wiederum setzen sich nur langsam durch.
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bankleer, Im Kommen, 2010
bankleer
Das Projekt der Berliner Gruppe bankleer setzt am Paradoxon einer kommenden Zukunft an, die nicht in der Gegenwart dargestellt werden kann. Dabei geht es im Speziellen um das unerreichbare Ziel einer idealen Demokratie. Die im Kunstpavillon erstmals gezeigte Installation „Im Kommen“ besteht aus einem Objekt, das fiktive TeilnehmerInnen einer Kundgebung unter schwarzem Stoff verschwinden lässt. Parallel dazu ist ein Videoessay mit dem Titel „Metaploitik“ zu sehen, in dem es um das Öffnen neuer Vorstellungsräume geht. In einer unbeschrifteten Landschaft wird über die Schwierigkeiten und Mühen der Erfindung neuer politischer Subjektivität(en) reflektiert.
Pavlina Fichta Čierna
Die Künstlerin, die in der Nähe der nordslowakischen Stadt ´ilina lebt, hat sich als Videokünstlerin einen Namen gemacht und besticht insbesondere mit ihren Videoportraits. Im Kunstpavillon sind drei Arbeiten zu sehen:
„Lady in Blue“ dauert eine Zigarettenlänge lang und stellt eine ältere Dame vor, die überraschende Episoden aus ihrem Leben erzählt.
„Maro¨“ filmte jener Mann selbst, dem das Portrait gewidmet ist.
„From Jaroslava Vislocká’s Script“ handelt von einer Frau, die sich als Business Lady vorstellt, de facto aber einen kleinen Handel mit Postkarten betreibt.
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Pavlina Fichta Čierna, "Lady Blue", Videostill, 2005
Helmut Heiss
Der Künstler ist in Südtirol aufgewachsen und lebt derzeit in Wien. Er geht in seinen Arbeiten gerne von der unmittelbaren Umgebung des Ausstellungsraumes aus, so auch im Kunstpavillon, wo ihm bei einem Recherchebesuch ein Graffiti an der Außenwand ins Auge stach. „FKKANTIFA“ ist dort zu lesen – was mag das heißen? Diese Frage, die sich sicher auch schon BesucherInnen des Kunstpavillons und PassantInnen im Hofgarten gestellt haben, ist der Ausgangspunkt einer Recherche über den Slogan unter Einbeziehung einiger ExpertInnen.
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Helmut Heiss, FKKANTIFA, 2010
Nada Prlja
Die in London lebende Künstlerin hat ihre Wurzeln in Sarajevo und in Skopje. Viele ihrer Arbeiten beziehen sich auf diesen Kulturraum. In dem Werkdoppel „Communism, that fallen star of political endeavour“ und „’Kapitalismus’ The Show is Over“ thematisiert sie die Vergänglichkeit politischer und ideologischer Systeme anhand der beiden Gegenspieler der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts. Der Stern des Kommunismus ist gefallen und die Showtime des Kapitalismus ist auch schon vorbei - irgendjemand hat schon begonnen, das alte Leitbild zu übermalen.
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Nada Prlja, "Kapitalismus" The Show is Over, 2010
zweintopf
Das Künstlerduo gehört zu den umtriebigsten künstlerischen Kräften in Graz. Für die Ausstellung im Kunstpavillon haben sie eine spezifische Installation entwickelt, unter Verwendung eines Raums, der sonst nicht einsehbar ist und sich zwischen Oberlichtplafond und Dachfläche befindet. Auf der Glasfläche befinden sich Figuren geformt aus gewöhnlichen Handtüchern. Sie hocken dort und haben die Hände zum Gebet gefaltet – oder sind sie doch gefesselt? Eine Art parallele Welt, die von den BesucherInnen mittels einer Überwachungskamera erforscht werden kann, die auf einem langen Stab montiert ist.

Anton Lederer und Margarethe Makovec
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zweintopf, Installation, 2010
Dank an: Ho & Ruck, Bionade